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Buch-Tipp: Mitfühlend leben

Achtung: Es gibt kaum ein Buch, das ich mehr als einmal gelesen habe. Dieses ist eines von jenen. Das erste Mal las ich es vor einem Schweigeretreat mit dem einen Autor, Frits Koster. Und jetzt habe ich es gelesen, nach einem MBCL*-Einführungsseminar mit Jana Willms und vor meiner MBCL-Lehrerausbildung mit dem anderen Autor, Erik van den Brink.

*Mindfulness Based Compassionate Living


Zwei Männer und ein Buch über Mitgefühl

Frits Koster und Erik van den Brink haben langjährige Erfahrung in Achtsamkeit und Meditation. Sie arbeiteten lange in der psychiatrischen Pflege und haben MBSR für Patienten und auch Pflegepersonal in Kliniken unterrichtet. Daraus erwuchs der Wunsch besonders nach dem Feedback der TeilnehmerInnen, einen Aufbaukurs zu MBSR mit dem Schwerpunkt der Entwicklung von Mitgefühl zu entwickeln. Dieses Buch befasst sich mit den wissenschaftlichen Hintergründen und dem Kursaufbau von MBCL. Dazu gibt es die wichtigsten Übungen als Niederschrift und auch alle Themen des 8-Wochen-Kurses.


MBCL geht weiter als MBSR

Die beiden Autoren haben aus meiner Sicht eine gute Mischung aus auf dem MBSR-Programm aufbauenden evolutionstheoretischen Themen und praktischen Anwendungen hier gefunden. Sie binden die wichtigsten Erkenntnisse der Mitgefühlspioniere wie Kristin Neff und Christoph Germer mit ein, was dem Leser verdeutlicht, wie heilsam die Praxis von Achtsamkeit in Kombination mit Mitgefühl ist. Das gibt dem Programm ein wissenschaftliches evidentes Fundament und schafft beim Leser und Teilnehmer vertrauen.


Seinszustände nach Paul Gilbert

Dem Leser und auch Kurteilnehmer wird hier - und das geht weiter als MBSR - aufbauend auf dem Modell von Paul Gilbert erläutert, dass es drei Seinszustände der Emotionsregulation und Motivation gibt:

  • Das Alarmsystem (Gefahr),

  • das Antriebssystem (Verlangen) und

  • das Beruhigungssystem (Regeneration).

Im Gegensatz dazu unterscheidet das MBSR-Programm zwischen Stress/ kein Stress.


MBCL-Kurs und Übungen

Das Buch führt den Leser nach der Einführung chronologisch durch das MBCL-Curriculum. Dabei werden alle relevanten Themen genannt und auch die Übungen (leider alle nur als Niederschrift und nicht wie im Praxis buch "Mitgefühl üben" als Audio-Dateien). Am Ende jedes Teils befindet sich eine Zusammenfassung eines Kurstermins und dessen Nachbereitung und Übungen.

Dabei wird deutlich, dass für MBCL-Teilnehmer eine Vorerfahrung im Bereich Achtsamkeit sinnvoll ist. Viele Übungen benutzen Visualisierungen ("Sicherer Ort", "Mitfühlender Gefährte"), was MBSR-Teilnehmer in Form der Berg- oder Seemeditation kennengelernt haben. Das stellt besondere Anforderungen an die Praxis und das Üben dar. Denn diese Übungen können auch einmal weniger oder auch besonders intensiv sein. Das erfordert vor allem, dass der Teilnehmer sein Grenzen kennt und Pausen einbaut. Das Vertrauen, dass die Praxis auch in schwierigen o Zeiten oder bei Sackgassen wertvoll ist muss sich manchmal erst einstellen. Das MBCL-Programm überlässt den Teilnehmern die Möglichkeit die Methoden zur Beruhigung am Anfang der Übung oder auch die Wege, die während der Meditation beschritten werden selbstverantwortlich zu bestimmen. Das geht weiter als MBSR und ist eine sinnvolle Selbsterfahrung. Und auch die Anzahl der Übungen ist deutlich reichhaltiger als im MBSR. So können Teilnehmer während und vor allem auch nach dem Kurs entscheiden, welche Übung für sie jetzt am besten ist. Dazu gibt es Übungen, die regelmäßig gemacht werden können (z.B. Freundlichkeitsübungen) , andere sind eher als situative Übungen (Vergebensübungen) gedacht.


Fazit

Das Buch ist ein Plädoyer für Mitfühlendes Leben - Mitgefühl mit uns selbst und anderen zu entwickeln und zu üben. Ich kann mir derzeit kaum etwas heilenderes vorstellen und kann dir zu der Lektüre raten, wenn du bereits Achtsamkeit praktizierst oder Erfahrung hast. Du vertiefst deine Achtsamkeitspraxis und kommst mit dir selbst in einen intensiven Kotakt. Wunderbar!


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