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  • AutorenbildBjörn

Achtsamkeit und Gedanken

Schatz, wir müssen reden! ... über Achtsamkeit... und über Gedanken... und was beides miteinander zu tun hat. Eine Liebeserklärung an die Achtsamkeit, die uns Menschen wie Jon Kabat-Zinn und die vielen weisen Lehrer näher bringen.




Warum dieser Artikel?

Ich bin hochgradig inspiriert diesen Artikel zu schreiben, weil mir das Thema Achtsamkeit und Gedanken immer wieder begegnet, in Gesprächen, im Kurs und in den sozialen Medien. Ich sage immer wieder, Achtsamkeit ist etwas einfaches und es geht nicht darum jemand besseres zu werden. Und da merke ich, dass die Menschen das vergessen und dann eine andere Vorstellung haben. Statt zunächst den ersten Schritt zu gehen und zu schauen: "Was ist da eigentlich jetzt?", sind wir manchmal schon dabei zu sortieren: gut - schlecht, positiv - negativ, mehr - weniger,... Ist das Achtsamkeit? Nein.



Gedanken in der Meditation

Im Kurs meinte eine Kursteilnehmerin: "Ich weiß ja, während der Meditation soll ich ja keine Gedanken haben..." Da frage ich dann: "Wer sagt das?" Ich weiß dann, ich bin es nicht. Aber sie ist da, die Meinung ohne Gedanken zu meditieren. Das weiß ich.

Aber schauen wir uns mal an, was passiert bei der Haltung "In der Meditation darf ich keine Gedanken haben"? Zunächst mal ist es eine Fakt: Sie sind da. Jetzt in diesem Moment und jetzt kommt der nächste - die Gedanken! Das ist nätürlich, daran ist erstmal nichts gut und nichts schlecht. Angenommen jetzt meditiere ich mit der Haltung, dass das nicht sein darf. Was wird also passieren? In den meisten Fällen werde ich - meist unbewusst - Methoden entwickeln, wie ich die Gedanken nicht mehr bemerke. Dann freue ich mich mit der Zeit vielleicht, wie ich Fortschritte in der Meditation mache, obwohl ich dabei bin einen dichten Schleier vor dem reinen Gewahrsein aufzubauen. Das ist genau das Gegenteil von dem was wir erreichen wollen. Was bringt uns Meditation, wenn wir nicht offener, sondern stumpfer werden.


Umgang mit den Gedanken in der Achtsamkeitsmeditation

Im Kurs erkläre ich das meist so: Also zunächst bringen wir unsere Aufmerksamkeit zum Atem. Dann kann es passieren, dass Gedanken kommen. Wenn das passiert, können wir kurz wahrnehmen, was für ein Gedanke das war. Jetzt können wir dem Fakt, dass wir bemerken, dass Ablenkung da war und Gedanken uns von der Atembeobachtung abgehalten haben WERTSCHÄTZUNG entgegenbringen. Weil das ein Moment der höchsten Achtsamkeit ist. Oder wie es Linda Lehrhaupt sagt: ein magischer Moment! Zum Schluss bringen wir die Aufmerksamkeit wieder zum Atem zurück. Wir kehren so oft zur Atmung zurück, wie wir abschweifen.

Bemerkst Du den Unterschied? Hier wertschätzen wir, dass wir Gedanken wahrnehmen, oben hingegen werden wir über die Zeit immer weniger feststellen, was wirklich da ist. Ersteres ist Achtsamkeit. Dass wir wertschätzen zu bemerken, einen Gedanken zu beobachten konditioniert uns gleichzeitg, das immer wieder zu tun. Wir werden mit der Zeit besser darin, dank der Neuroplastizität unseres Gehinrs.


"Achtsamkeit ruft uns dazu auf genau hinzusehen.

Denn nur wenn wir hinsehen und nicht (mehr) wegsehen,

können wir den Mut entwickeln unser Leben

liebevoll zu betrachten, in dem Vertrauen es zu

gestalten und zu heilen."


Achtsamkeit und Weisheit

Achtsamkeit meint nichts anderes, als die Art der Aufmerksamkeit, die sich auf diesen Moment richtet und nicht wertet. Welche Qualität, befördert nun, die heilsame Wirkung von Achtsamkeit? Es ist das Nicht-Werten. Warum? Weil Achtsamkeit uns dazu aufruft, genau hinzusehen. Saki Santorilli nennt das "auf die Wunde zu sehen". Denn nur wenn wir HINSEHEN und nicht WEGSEHEN, können wir den Mut entwickeln unser Leben liebevoll zu betrachten, in dem Vertrauen es zu gestalten und zu heilen. In dem Moment, wo wir uns mit den schwierigen Dingen der menschlichen Existenz beschäftigen, wie Trauer, Verlust, Zerstörung, Krankheit, Angst und Ablehnung, hilft uns die achtsame Weise dieses zu beobachten unsere innere Weisheit zu wecken. Du magst Dich jetzt sagen: "Weisheit muss man doch erst erlangen oder erwerben. Ich bin noch zu jung und unerfahren. Weisheit ist etwas für alte und erleuchtete Menschen." Das entspricht nicht dem, was ich beobachte. Ich sehe junge und alte Menschen in meinen Kursen, die mit Hilfe einer achtsamen Lebenshaltung auf Situationen schauen können, die sie sonst vielleicht verdrängt oder abgelehnt hätten. Und aus der Haltung können sie das nötige Mitgefühl und die Selbstverantwortung aufbringen, das Beste aus der Situation zu machen, ohne noch mehr Leid zu erschaffen. Das ist Weisheit. Das ist heilsam.



Jetzt das Wozu

Wenn Du es lernst die Gedanken während der Meditation zu beobachten - und Meditation ist da eine ausgezeichnete, weil wenig Ablenkung herrscht und nur "Ich" da ist - dann wird sich mit der Zeit eine kleine Lücke einstellen, in der Du bemerkst: "Das ist ein Gedanke. Dieser Gedanke beinhaltet... . Der Gedanke geht wieder." Die Konsequenz ist, dass die Identifikation mit den Gedanken, die normalerweise automatisch erfolgt und uns vorgaukelt, der Gedanke sei Fakt, nachlässt. Im Folgenden kann das dazu führen, dass wir Gedanken hinterfragen oder sogar bemerken, dass sie nicht hilfreich oder falsch sind. Das befähigt wieder weise Handlung.

Achtsamkeitsmeditation dient dazu, unverfälscht zu erkennen was da ist, um heilsam darauf zu reagieren. Wenn wir mit der Intention in die Übung starten, es gäbe Sachen, die dürfen nicht sein und es gibt Sachen, die sind besser als andere, ist das keine Achtsamkeit.


Und jetzt: Liebe

Ein Apell an die Schüler:innen (die wir alle immer sind): Lass Achtsamkeit die Chance, dich auf die Bereiche schauen zu lassen, die du früher ablehntest oder die dir Angst machten. Vertraue auf deine Weisheit, sie ist bereits in dir. Jetzt.

Ein Apell an die Lehrer: Bleibe exakt in der Sprache. Verwechsele nicht Achtsamkeit mit Aufmerksamkeit. Denn Achtsamkeit kennt kein positiv/negativ, gut/schlecht. Das ist deine Achtsamkeitspraxis. Ermutige deine Schüler:innen achtsam zu erforschen. Habe den Mut die Weisheit aus deinen Schülern sprechen zu lassen. Sprich selber weniger. Es ist schon alles da.

Lasst unsere Achtsamkeitspraxis erblühen und heilsam für die Menschheit, den Planeten und das ganze Universum sein.

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