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  • Björn

Warum deine Meditationspraxis nix bringt!? Teil 1

Aktualisiert: vor 2 Tagen


Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt viele Vorstellungen, was Meditation ist und was sie bringen soll.

  • Es gibt keine schlechten Meditationen.

  • Jeder kann meditieren.

  • Hindernisse bei Meditierenden sind lange bekannt und kommen auch bei geübten Meditierenden vor.

  • Hindernisse können mit Gegengiften behandelt werden.

  • Herausforderungen in der Praxis entwickeln diese weiter und helfen dir auch im Umgang mit Herausforderung im Alltag.

  • Mach das Selbst-Coaching!!! Unten findest du den Download!



Ja der Satz ist provokant. Aber genau das erlebe ich in letzter Zeit häufig: Menschen die zu mir kommen und meinen: "Meine Meditation klappt nicht so recht." Dann frage ich mich häufig im Stillen:"Was soll denn da bitte klappen?"

In einem Facebook-Ad erfahre ich vom smarten Meditations- Coach: "Meditation ist DAS TOOL der Neuzeit!" Und ich:"Was für ein Tool bitte? War das die letzten 5000 Jahre anders?"

Es scheint also unterschiedliche Vorstellungen zu geben, was Meditation ist und was sie bringen soll, wenn überhaupt.

Aus meinem Verständnis ist Meditation ein Weg und kein Tool und "klappen" oder "funktionieren" kann die Meditation auch nicht. Es ist lediglich unsere eigene Bewertung, ob eine Meditation erfolgreich war oder nicht. Meditation ist aber ein Weg uns zu helfen, unseren Geist zu klären und Bewertungen loszulassen. Solange wir auf dem Weg sind ist eine einzelne Meditationssitzung ein Wegabschnitt oder Schritt auf dem Weg. Es ist also unerheblich wie wir sie bewerten. Solange wir uns auf dem Pfad befinden, ist Entwicklung möglich. Wir gehen immer voran - niemals zurück.


Hindernisse

Wenn wir Meditation praktizieren, werden wir früher oder später einem Phänomen begegnen, dass schon sehr lange hinreichend bekannt ist. So haben sowohl Buddhisten als auch YogiNIs vor sehr langer Zeit solche Hindernisse erkannt. Durch generationsübergreifende Überlieferung und exakte Beschreibungen dieser Phänome erlangten Meditierende schon vor sehr langer Zeit eine wissenschaftlich genaue Vorstellung davon, welche es gibt, wie sie sich zeigen und - das ist jetzt die gute Nachricht - welche Gegenmittel es gibt.

In den Yogasutras dem Grundlagenwerk des Yoga beschreibt Patanjali 5 Hindernisse - sogenannte Klesha:

1. Avidya =Unwissenheit / Nichtwissen

2. Asmiha=Ich-Gefühl /Ich-Identifikation

3. Raga = Begehren

4. Dvesha = Ablehnung / Widerstand

5. Abhinivesha = Angst / Zweifel


Die Buddhistische Psychologie kennt folgende Hindernisse, die uns das Meditieren manchmal ziemlich vermiesen:

1. ZWEIFEL

2. UNRUHE auch: Ungeduld, Ruhelosigkeit, Aufgewühltsein

3. TRÄGHEIT auch: Müdigkeit/Schläfrigkeit, Mattigkeit, Langeweile, Stumpfheit

4. WIDERWILLEN auch: Widerstand, Ablehnung, Unzufriedenheit, Gereiztheit, Verweigerung und Hass

5. VERLANGEN auch: Sinnliches Begehren, Gier


Im Folgenden werden wir uns anhand der Buddhistischen Version detailiert mit den Hindernissen beschäftigen und ich zeige dir welche Methoden es gibt diesen zu begegnen.


Zweifel

Kennst du das auch? Die Stimme die dir nach einer Woche mit Affengeist während der Meditation erzählt: "Ist Meditation über etwas für mich? Ich glaube ich kann nicht meditieren. Meditation wird mir nie bei meinen Problemen helfen."

Willkommen im Club! Bei mir ist es von Zeit zu Zeit der subtile Eindruck, ich wäre schon mal weiter in meiner Meditationspraxis gewesen als zur Zeit, der mich zweifeln lässt.

Was hilft dir nun am Ball zu bleiben und deine Praxis nicht schon vor dem Abschlussgong direkt und für immer an den Nagel zu hängen?

Wir sind wie jeder Mensch (da gibt es keine Ausnahmen) mit allem ausgestattet, was wir benötigen, um erfolgreich auf dem Weg der Meditation zu sein. Wir alle haben die innere Weisheit (Herz) und das Bewusstsein (Hirn), welche uns auf diesem Weg begleiten und immer wieder dorthin zurückholen, wenn wir es zulassen und am Ball bleiben. Zweifel sind völlig normal und kommen bei allen Meditierenden vor. Wichtig ist zu wissen, dass nicht alles was unser Gehirn hervorbringt, wahr ist. Nimm es einfach als einen Impuls, den du wenn es geht geduldig beobachtest, wie jeden anderen Impuls (Geräusche, Körperempfindungen, Atmung etc.). Vertraue deiner inneren Weisheit und darauf dass Meditation dir gelingt. Das gehört zum Prozess. Es gibt keine schlechten Meditationen!



Unruhe

Wenn du sobald du auf deinem Kissen sitzt Kribbeln, Zwicken und diesem ewigen Drang dich zu bewegen oder gar aufzustehen befallen wirst, dann ist das deine Kategorie. Oder auch Gedanken daran, was gerade zu Hause passiert, während du bei deiner Meditationsgruppe bist und du am liebsten einen Kontrollanruf starten möchtest.

Hier lohnt es sich auch achtsam zu sein und zu beobachten. Wie und wo entsteht das Gefühl oder der Gedanke, der Unruhe erzeugt? Was ist es genau? Oft wird Unruhe von einem Körpergefühl begleitet. Schaue es dir an und widme dich dem Zustand liebevoll, statt ihn abstellen oder weghaben zu wollen.

Meistens verändert sich dieses Gefühl über die Zeit. Wenn du geduldig und ohne etwas damit zu machen beobachtest, dann merkst du oft, dass sich die Realität die dir dieses Gefühl glaubhaft machen will, sich auch ändert. Damit zeigt sich, dass diese Gefühl oft unbegründet und vom Gehirn produziert ist und oft keinen Fakten entspricht.

Der Gedanke "was die Kinder jetzt wohl zu Hause anstellen" kann zum Beispiel von einem Druck in der Brust begleitet sein. Dein Geist, der diesen Gedanken hervorgebracht hat, möchte dich wirklich animieren, ihm zuzuhören und dich motivieren, zu Hause anzurufen und das mit dir einem Körpergefühl, das es dir möglichst unangenehm macht, sitzen zu bleiben. Wenn du diesen Zustand beobachtest, ändert er sich meistens. Du merkst, dass vielleicht du eigentlich sonst auch keine Kontrollanrufe zu Hause machst und dass für deine Kinder und die Wohnung gut gesorgt ist.

Für unseren Körper und auch für den Geist sind Zeiten der Stille oft unproduktiv und Körper und Geist möchten etwas tun, statt zu sitzen. Sie nutzen also jede Gelegenheit dir zu zeigen, warum Meditation jetzt eine ganz schlechte Idee ist. Wie oben schon geschrieben: Gedanken sind Impulse und entsprechen nicht immer der Realität, sind also nicht immer wahr.


Trägheit

Jetzt kommen wir zu einer mir sehr vertrauten Begleiterin der Trägheit. Sie zeigt sich zumeist als eine Form der Müdigkeit, die bis zum Einschlafen führen kann. Vorformen sind Desinteresse, Langeweile und Abdriften oder Absinken der Aufmerksamkeit (Stumpfheit). Im Alltag meditiere ich meistens sehr früh am morgen, direkt nach dem Aufstehen oder direkt vor dem Ins-Bett-Gehen. Das sind Zeiten, die sehr eng an die Schlafphase gelagert sind. Nicht verwunderlich, dass man da mal hin und wieder kurz wegnickt. Von der Trägheit, sind mir aber noch deutlich ausgeprägtere Formen in meiner eigenen Meditationszeit sehr gut in Erinnerung. In diesen Zeiten setzte eine so starke Form der Müdigkeit ein, sobald ich das Meditationkissen - zu welcher Tageszeit auch immer, egal ob müde oder gut ausgeruht - berührte ein, dass es mir regelrechte körperliche Schmerzen bereitete sitzen und wach zu bleiben. Manchmal fühlte es sich so an, als würde mir jemand einen 50 kg schweren Sandsack auf die Schultern werfen.

Wie merkt man nun, dass man Besuch von der Trägheit hat? Der Anfang ist oft schwer zu identifizieren und zeigt sich auch noch sehr unterschiedlich. Es kann mit einem Anflug von Langeweile oder Desinteresse einhergehen. Oder manchmal auch mit einer Form der Leichtigkeit, die einen zuckersüß einhüllt und verführt, sich ihr immer noch mehr hinzugeben. Dann ist das Gefühl sehr angenehm und man kann so wunderbar entspannen in der Meditation. Das nächste Stadium ist dann ein Wegdriften, welches unmittelbar von Schlafattacken gefolgt wird.

Gegenankämpfen und Weitermeditieren ist ungefähr so, als würde man total übermüdet Autofahren. Mit Willenskraft alleine kommen wir Phasen der Trägheit wenig bei. Wie gesagt ich hatte sehr lange Zeiten dieses Hindernisses durchgemacht und habe festgestellt folgende Maßnahmen können helfen:

  1. Mehr Schlafen - klingt etwas einfach, ist aber so! Kennst Du deinen Schlafbedarf genau? Meditation ist auch kein Ersatz für genug Schlaf.

  2. Zu anderen Zeiten meditieren. Wenn Du abends einschläfst, dann versuche mal deine Praxis in die Morgenstunden zu verlegen.

  3. Zeitweise eine andere Praxis wählen: Gehmeditation, achtsame Körperübungen / Körperarbeit oder auch Meditieren im Stehen sind gute Möglicheiten, um der Trägheit entgegenzuwirken.

  4. Kaltes Wasser ins Gesicht! Kein Scherz, wenn du alles versucht hast oder du meinst, sehr müde noch eine Meditation zu machen, dann ist mein Geheimtipp, vor der Praxis etwas kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen. Nicht abtrocknen.

  5. Wenn Du erfahren in Meditation und Achtsamkeit bist und du sehr Aufmerksam bist und du weißt, dass sich mal wieder Frau Trägheit zum Besuch ankündigt: Wechsle dein Meditationsobjekt beispielsweise vom Atem zur Trägheit oder Schläfrigkeit. Sei neugierig und praktiziere mit Anfängergeist. Es wird vermutlich nicht das Einschlafen verhindern, aber du wirst interessante Erfahrungen machen, welche Bewusstseinsphasen du durchmachst. Vielleicht machst du Erfahrungen, dass der Körper schläft, der Geist aber noch wach ist. Das sind sicherlich nicht die unangenehmsten Erfahrungen und können deinem Meditationsweg neue Impulse geben und heilsam wirken.


Widerwillen / Widerstand

Widerstand kommt dann auf, wenn eine Situation nicht so ist, wie wir sie gerne hätten. Das ist Alltag genauso wie in der Meditation. Die Handlungsalternativen oder das Handlungsspektrum ist in Zeiten der Meditation jedoch eingeschränkt und von daher haben wir hier eine große Herausforderung. Wer kennt das nicht: Zum Beispiel: Der Sitznachbar beim Meditationsabend atmet laut oder komisch und wir sind genervt. ODER: Der Anleiter hat eine eigenartige Stimme oder wir verstehen nur die Hälfte. ODER: Die Übung erscheint uns völlig sinnlos. ODER: Jetzt haben wir uns schon so lange auf das Retreat gefreut und nun ist ne Großbaustelle auf dem Seminargrundstück mit entsprechendem Lärm.

Wir sitzen ja nun und wollen auch nicht aus der Gruppe herausstechen und einfach aufstehen und gehen. Schließlich haben wir gute Gründe jetzt hier zu sitzen und zu meditieren. Was passiert nun?

Widerstände können sehr quälend sein und sich bis zu Wut und Agressionen steigern.

Kennst Du eigentlich die Geschichte vom Hammer von Paul Watzlawik? So ähnlich kann es einem vom Widerstand geplagten Meditierenden gehen. Ich kenne das auch.

Widerstand ist ein gutes Beispiel, warum wir Meditation nicht nur mit dem Kopf angehen sondern vor allem ein großes Herz entwickeln müssen. Hilfreich ist es die Situation so zu nehmen wie sie ist. Den Betroffenen, also dir und den anderen, Mitgefühl zu stiften. Schwierigkeiten anzuerkennen und sich selbst auch mal zuzugestehen: "Das ist ein schwieriger Moment." Das Selbstmitgefühlsmantra kann auch Wunder wirken:


Verlangen

Zu guter Letzt kommen uns noch tausend Dinge in den Kopf, die jetzt schöner wären statt zu meditieren: "Wie toll wäre es nach draußen zu gehen. Ist so schönes Wetter!" "Oh ich habe solchen Lust auf eine Tasse Kaffee." Oder es kommen uns erotische Fantasien mit unserem / unserer LiebespartnerIn in den Kopf... naja.

Hier hilft es auch die Situation zu erkennen und klar zu sein, warum wir jetzt hier sind. Dem Verlangen können wir Mitgefühl stiften und dadurch erkennen, dass wir nicht jedem Impuls nachgehen müssen und manchmal auch nicht können. Der Geist ist manchmal auch sehr erfinderisch uns wichtige Gründe zu geben jetzt nicht zu meditieren. Auch hier kann Widerstand entstehen und die Situation verschärfen.


Gegengifte

Die Buddhistische Psychologie hat einige kürzere Wege gefunden Hindernissen zu begegnen. Diese werden wegen ihrer Wirksamkeit als Gegengifte bezeichnet. Hier einige Beispiele:


Entwicklung von Weisheit durch Hindernisse

Hindernisse wie wir sie oben kennengelernt haben, stellen eine Herauforderung in der Praxis dar. Sie können uns enttäuschen, ärgern oder gar unsere Vision zerstören Entspannung zu finden. Fakt ist aber in der Meditation zeigt sich, was tatsächlich in uns und unserem Geist passiert oder vorhanden ist. Wir sind nicht schlecht im Meditieren nur weil wir beispielsweise andauernd einschlafen oder nach 5 Minuten unruhig werden. Statt aus diesen Phänomenen mehr zu machen als sie tatsächlich sind, können wir es als gute Gelegenheit nehmen, uns in Achtsamkeit, Vertrauen und Geduld zu üben. Und diese Tugenden zu kultivieren. Und hier zeigt sich auch ein Bindeglied der Meditation zum Alltag. Wenn wir lernen das Unangenehme und das Unerwünschte auf diese Weise zu beobachten, dann können wir auch auf viele Herausforderungen im Alltag gelassener reagieren.

Folgende Herangehensweise ist eine große Hilfe:

  1. Erkennen: Nicht wegschieben oder Widerstände aufbauen, sondern sehen und beobachten, welche Situation gerade vorliegt.

  2. Benennen: Dem Kind einen Namen geben. Am besten neutrale Formulierungen finden, wie "Da ist gerade... Trauer, Wut, Verlangen ..."

  3. Ausgleichen: Harmonie und Ausgeglichenheit herstellen, keine Extreme wählen, weder kämpfen noch kapitulieren. Weisheit finden.

  4. Sein lassen: Realität erkennen, Abfinden mit dem was gerade da ist.


"A smooth sea never made a skillful sailor."


Selbst-Coaching UND Wie geht es weiter?

Hilfreich ist es eine klare Sicht und Perspektive für deine Meditationspraxis zu entwickeln. Dafür kannst Du das angehängte PDF ausdrucken und handschriftlich ausfüllen. Nimm Dir mindestens 10 Minuten Zeit, in denen Du diesen Bogen für Dich ausfüllst oder die Fragen beantwortest, bevor du Teil 2 dieses Artikels liest. Schreib deine persönlichen Antworten auf und nicht, was du meinst, was andere Leute hören wollen. Es gibt hier keine falschen Antworten. Dieses Selbst-Coaching in Verbindung mit Teil 2 wird dir helfen den Wert und die Herausforderungen deiner Meditationspraxis zu erkennen.

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Hier geht es zu Teil 2

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